Einiges zur Brauerei des Schlössle

 

Das Schlössle war ursprünglich eine Ritterburg. Ältester beurkundeter Besitzer von Offenhausen und damit des Burggestells war um 1338 Ritter Heinrich Luidolph. Im Jahre 1552 lies Herzog Moritz von Sachsen die Dörfer Pfuhl und Offenhausen niederbrennen, um die belagerte Reichsstadt Ulm gefügig zu machen. Dabei brannte wohl auch das Burggestell ab. Der Bauherr des heutigen Gebäudes mit seinen charakteristischen Giebeln war dann der Ulmer Patrizier und Ratsältere Ulrich Ehinger von Balzheim, ein Verwandter der Fugger, der es wahrscheinlich im Jahre 1558 als Sommersitz für seine Familie erbaute.

Nach mehreren Besitzerwechseln wurde das „Schlösslein“ 1690 vom Magistrat von Ulm in einen Gasthof und Braustätte „mit aller Gerechtigkeit“ umgewandelt um es dann mit Gewinn zu verscherbeln.

Ansicht Schlössle um 1900

Die Brauerei zählt damit zu den ältesten und traditionsreichsten Brauereien in Bayern.
Im Gegensatz zu heute lies damals die Qualität des Bieres – wenn man den Überlieferungen

glaubt – einiges zu wünschen übrig. Nach der Brotzeit im „Schlösslein“ schimpfte der Ulmer Gymnasialprofessor Johann Herkules Haid: „Das Bier riecht nach Schwefelleber!“ Wahrscheinlich hatte er damit sogar recht, denn anno dazumal war es durchaus üblich, die Holzfässer mit Schwefelpech auszupichen. Diese Methode war bis zum zweiten Weltkrieg gang und gäbe und alte Offenhausener können sich sicherlich noch erinnern, wie die großen Gärfässer durch ganz Offenhausen gerollt wurden, damit sich das Pech gleichmäßig im ganzen Fass verteilen konnte.

 

Trotz der damaligen Bierqualität war das zugehörige Gasthaus schon

Ölbild von K.Mündler, 1927

stets ein beliebtes Ausflugsziel, Mekka der Durstigen. Dies brachte Offenhausen den Spitznamen "Affenhausen" ein, wohl weil mancher ein kleines Räuschchen mit nach Hause nahm.

Auf der Gästeliste des Schlössle steht auch der Franzosenkaiser Napoleon. Am 14.Oktober 1805 galoppierte er ein – von Leibi kommend, um von den oberen Stockwerken die Gefechtslage bei der Eroberung von Ulm u beobachten. Im Folgenden machte er sich jedoch nicht sehr beliebt, da er ca. 3.500 Bauern aus der Umgebung zur Zwangsarbeit heranzog.

Das Schlössle ist nunmehr seit mehr als 135 Jahren im Besitz der Familie Zoller. Georg Zoller (der 1.) erwarb Brauerei und Gasthaus

Georg der I. und Ehefrau Apollonia

im Alter von 25 Jahren im August des Jahres 1879. Es folgten Georg (der 2.) mit Ehefrau Lina und Georg (der 3.) mit Schwester Lina Mayländer.

Georg der II. mit Ehefrau Lina sowie deren Kinder Georg der III. und Lina

Heutige Besitzer sind die Ehefrau von Georg (dem 3.) Maria und dessen Kinder Christa und Werner, nachdem die Schwester Lina Mayländer im Jahre 2014 verstarb.


Im Jahre 2004 wagte die Besitzerfamilie eine große Investition. Der alte, kupferne Sudkesses aus dem Jahre 1920 mit Holzbefeuerung durfte in den verdienten Ruhestand. An seiner Statt,

Eisgalgen in den 60ern

wenngleich an derer Stelle wurde ein moderneres dampfbeheiztes Sudgefäß angeschafft und die Brauerei auch in anderen Bereichen modernisiert. Die Befürchtungen der Stammgäste, dass das hauseigene "Biermanna"

dadurch seinen eigenständigen, äußerst leckeren Schlösslegeschmack verliert, wurden widerlegt. Kein einziger Gast merkte wirklich, ab wann der Übergang von altem zu neuem Kessel tatsächlich vollzogen war.

Die Vielfalt der heute gebrauten Biere ist beachtlich und obliegen ganz der Obhut unseres Bierbrauermeisters Volker Tillmanns.

Brauer vor dem alten Sudhaus

Neben dem traditionellen Schlössle Märzen - ein etwas dunkleres Märzen mit herb-würzigem Geschmack - werden folgende Biere eingebraut: Zwickel - ein kellertrübes, helles Kellerbier

Georgsbier – dunkles Kellerbier, mehrfach beim European Beerstar prämiert. Hefeweizen sowie saisonal Winterbock (untergärig) und Weizenbock im Sommer.

 

Seit 2013 brauen wir neben diesen traditionellen Craftbieren (Craftbier = handwerklich gebrautes Bier nach wörtlicher Übersetzung) auch moderne Craftbiere – auch diese überwiegend streng nach dem bayerischen Reinheitsgebot von 1516. Damit folgen wir einer 

Unsere Craftbiere

Bewegung kommend aus den USA, die die Biervielfalt und -qualität auch in Deutschland befeuert hat. Dortige Brauer wollten weg vom dünnen, amerikanischen Industrie-Einheitsmassenbier, nahmen sich europäische Biere als Vorbild,

belebten alte Traditionen neu (kalte Hopfung) und übertrafen oftmals ihre Vorbilder durch Experimentierfreude und Qualitätsanspruch.

 

Seit Dezember 2016 werden die Schlössle-Craftbiere nun auch in handelsgängigen 0,33 ltr. Flaschen abgefüllt und erobern als Strong Jack, HighFiveHop, Chocolate Porter, Orange Summit und Holy Stuff die Kunden im Schlössle und vielen Getränkemärkten der Region. Alle zeichnen sich durch besondere Geschmackskomponenten aus, die besondere Trinkerlebnisse vermitteln – eine schöne Ergänzung zu den traditionellen Sorten.

 

Das Schlössle - Craftbierbrauerei seit 1690